Kundentäuschung bei DriveNow?

Berlin – Mit neuen AGB müssen DriveNow-Kunden nicht nur der Datenerfassung über die Geo-Position des Carsharing-Autos zustimmen, sondern auch einer Gebührenerhöhung um pauschal einen Euro pro Fahrt. Sind die Inklusivpakete damit falsche Angebote?

  • Bei Widerspruch gegen die neuen AGB folgt Kündigung durch DriveNow
  • Gekaufte Minutenpakete verfallen bei Kündigung
  • 27 Cent/Minute im 500-Minuten-Paket nicht haltbar
  • Pro 15-Minuten-Fahrt Preissteigerung von 19%

Preiserhöhung mit wenig Kundennutzen bei DriveNow

Preiserhöhungen sind oft keine schöne Sache – speziell für den Kunden. Auch wenn das Angebot „leistbar“ bleibt, kann die Schmerzgrenze schnell erreicht werden. Bis zum 12.09.2016 kostet eine Fahrt bei DriveNow noch mindestens 31 Cent pro Fahrminute. Danach wird bei JEDER Fahrt ein Euro Grundgebühr fällig. Gleichzeitig reduziert sich die Selbstbeteiligung von 750 auf 350 Euro. Ein guter Deal? Nein. Denn die Preiserhöhung pro Fahrt liegt zum Teil im zweistelligen Prozentbereich. Angenommen, man ist eine viertel Stunde mit einem Mini von DriveNow unterwegs. Das macht 4,65 Euro. Künftig kostet die gleiche Fahrt 5,65 Euro – was einer Preissteigerung von rund 19% entspricht.

Hinfällig: Die Minutenpakete werden unattraktiv

Wer viel mit Carsharing-Autos unterwegs ist, hat die Möglichkeit, günstige Minutenpakete bei DriveNow zu kaufen. Hier gibt es unterschiedliche Abrechnungswege. Ein 500-Minuten-Paket war dabei besonders interessant, auch für Wenigfahrer. Denn die Laufzeit ist nicht begrenzt. Jetzt beginnt die Irreführung der Kunden. Wer ein solches Minutenpaket kauft, ist nicht von der Änderung des Tarifmodells befreit. Ergo: Nach jeder Fahrt flattert eine weitere Rechnung über den Betrag von einem Euro ins Haus, der vom hinterlegten Zahlungsmittel abgebucht wird. Gerade für Firmenkunden ist das kompliziert, weil jedes Mal eine neue Abrechnung erstellt werden muss – absolut unnötig. Auch das Versprechen, für 27 Cent/Minute Carsharing nutzen zu können, wird von DriveNow nicht mehr eingehalten werden können. Eine viertelstündige Fahrt liegt dann auch mit dem unbegrenzt gültigen 500-Minutenpaket bei  rund 34 Cent je Fahrminute. So wurde gerechnet: 0,27€ * 15 Minuten = 4,05€ | + 1€ Grundgebühr = 5,05€ / 15Minuten = 0,34€

Die Mehreinnahmen bei DriveNow

Obwohl Erich Sixt bei der letzten Hauptversammlung stolz verkündete, dass Sixt inzwischen auch mit Carsharing schwarze Zahlen schreibt, muss DriveNow offenbar  weiteres Wachstum aus dem Geschäftsmodell ziehen. Allein in Berlin unterhält DriveNow eine Flotte von gut 900 Fahrzeugen. Jedes davon wird im Schnitt 4 Mal am Tag ausgeliehen sagt DriveNow selbst. Das macht 3.600 Fahrten am Tag und damit 3.600€/Tag zusätzliche Einnahmen ab Wirksamwerden der AGB. In einem Jahr wird DriveNow also mehr als 1,3 Millionen Euro zusätzlich eingenommen haben –allein in Berlin. Ob diese Summe dazu benötigt wird, die Schäden an den Fahrzeugen zu reparieren, bleibt allerdings fraglich. So bleibt unterm Strich vielleicht keine Kundentäuschung. Dafür aber jede Menge enttäuschte Kunden.

Bild: mietwagen-news

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