DriveNow zeichnet keine Kundendaten auf

München – Im Netz herrschte unter Carsharing-Nutzern helle Aufregung: DriveNow gibt Daten an BMW weiter! Hintergrund all dessen war ein Urteil, nach dem ein Unfallverursacher über das Bewegungsprofil des Carharingautos ausfindig gemacht werden konnte – die Daten waren vor Gericht zulässig.

Beim Carsharing zählt jede Minute – schließlich wird hier nach Fahrminuten abgerechnet. Manche Carsharing-Autos fallen deshalb im Straßenverkehr durch überhöhte Geschwindigkeit, quietschende Reifen und Drängeln auf. Das ist kein Einzelfall sondern im Straßenbild von Berlin täglich anzutreffen. Auch die Durchschnittsverbräuche der Fahrzeuge liegen deutlich über den Werten von Spritmonitor.de oder den entsprechenden Autos, die als Mietwagen bei Sixt unterwegs sind.

Unfallverursacher fuhr Rennen mit DriveNow-Auto

Dass die tickende Zeit den Nutzern im Nacken sitzt, kann nur eine Ursache für zu schnelles Fahren sein – Charakterschwäche eine andere. Denn wer mit fremdem Eigentum so umgeht als wäre es nichts wert, sollte gar nicht erst mit Gegenständen auf Leihbasis in Berührung kommen. Schon gar nicht mit Autos, die ein Vielfaches an Wert haben als viele sich leisten könnten. Leisten können sie es sich aber – schnell, unkompliziert und jederzeit dank Carsharing. Leistungsstarke und begehrenswert gut ausgestattete Autos stehen in fußläufiger Entfernung bereit, nur einen Fingerzeig in der jeweiligen App entfernt. Die Buchung der Autos erfolgt also voll elektronisch und ferngesteuert. Ein Schlüssel liegt bei DriveNow nicht mehr im Auto. Anhand der genauen Standortbestimmung des Autos, der Fahrzeit und des personenbezogenen Zugangs sollten sich also genaue Bewegungsprofile erstellen lassen – diese einfache Annahme veranlasste das Landgericht Köln zur Herausgabe von Daten über die Fahrt von Arman T. Der Student war zu 33 Monaten Haft verurteilt worden, nachdem das Gericht ihn wegen fahrlässiger Tötung für schuldig befunden hatte. Vor einem Jahr überfuhr der Beschuldigte einen Radfahrer, der später seinen Verletzungen erlag. Anhand der Daten von DriveNow und BMW konnte hergeleitet werden, wie schnell der Beschuldigte zeitweilig unterwegs war – auch die (völlig überhöhte) Geschwindigkeit kurz vor dem Unfall konnte festgestellt werden.

Personenbezogene Daten in Ausnahmefällen rekonstruierbar

Wie das gehen soll, fragt man sich, zeichnen weder DriveNow noch BMW Bewegungsprofile auf. DriveNow erhebt nur GPS-Koordinaten und Zeitpunkt von Buchungsbeginn und –Ende. BMW sammelt an verschiedenen Stellen Informationen über das Fahrzeug – beides sollte keine Rückschlüsse über das Bewegungsprofil zulassen. Und dennoch konnte das Gericht genau nachvollziehen, welche Fahrzustände das Auto mit dem Tatverdächtigen am Steuer inne hatte. DriveNow verschickte nach dem Erscheinen des Artikels im Manager-Magazin eine Stellungnahme. Darin heißt es wiederholt, dass weder BMW noch DriveNow personenbezogene Daten erheben würden. Durch einen staatsanwaltschaftlichen Beschluss könne man aber die Daten des Fahrzeugs und die Kundendaten im Einzelfall zusammenführen um ein Bewegungsprofil zu erstellen.

Nach wie vor rowdyhafte Fahrstile der Carsharingnutzer

Diesen Vorgang macht das Gericht selbst, DriveNow und die BMW Group sind lediglich zur Herausgabe der Daten verpflichtet. Dies entspreche den geltenden Regelungen zum Datenschutz. Immer wieder heiß diskutiert werden Maßnahmen, die den Umgang mit den Carsharingautos besser regulieren können. Leistungsbegrenzungen kann BMW sich nicht leisten. Das wäre schlecht fürs Marketing. Streckenbezogene Höchstgeschwindigkeit lässt sich aufgrund der Datenschutzbestimmungen nicht durchsetzen. DriveNow wüsste dann jederzeit, wo sich welcher Nutzer befindet und mit welcher Geschwindigkeit er fährt. Dennoch könnte die Idee sinnvoll sein: Das Auto erkennt anhand der Verkehrsschilder und GPS-Daten, welche Geschwindigkeit gerade erlaubt ist und lässt keine darüber liegende Geschwindigkeit zu. Wer das nicht möchte, kann ja Bahn fahren. Oder zu Fuß gehen – was der Demut vieler Carsharing-Raser gut tun würde. Oder wie wäre es mit Bonusminuten für eine besonders ökologische Fahrweise?

Bild: DriveNow

 

Kommentar verfassen