Carsharing-Radar 33|2016: Carsharing beliebt oder nicht?

+++ Unterschiedliche Studien: Carsharing mal hü, mal hott +++ E-Carsharing auf dem Land enttäuscht +++

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Was denn nun? Carsharing beliebt oder nicht?

Berlin – So richtig schlau wird man aus den Studien zum Thema Carsharing nicht. Mal wird das geteilte Auto als Heilsbringer für die Zukunft des Automobils gefeiert. Bei der nächsten Umfrage möchte plötzlich niemand mehr ein Auto teilen. Diese zugespitzten Aussagen zu einem Thema polarisieren – und das macht auch Carsharing immer wieder. Zum einen ist da die Umfrage der Cosmos Versicherung nach der sich 72% der deutschen Autofahrer nur schwer vorstellen können, auf ihr eigenes Auto zu verzichten. Männer sind da noch eher kompromissbereit als Frauen. Denn der Anteil der Herren liegt bei 70% während unter der Frauen gar 75% kein Carsharing wollen. Auch gemessen an den Zulassungszahlen spielt Carsharing am deutschen Automarkt eigentlich keine Rolle. Mit ein Grund dafür ist in den unflexiblen Steuermodellen der Firmenwagen zu suchen. Hier stellt sich die Frage, warum man für ein Carsharingauto die volle 1%-Versteuerung abführen soll? Dann kann es doch gleich ein eigener Firmenwagen sein. Wer die Carsharingwelt aber innerhalb der Zielgruppe betrachtet, wird die Effektivität geteilter Autos feststellen. Der Grund dafür ist in der anlaufenden Konsolidierungsphase des Marktes zu suchen. Größere Anbieter schlucken kleine, Kleine Anbieter wiederum verschwinden aufgrund von finanzieller Schieflage ganz vom Fenster. Mit Citee-Car gab ein vergleichsweise großer Anbieter auf. Auch car-2go strich das Geschäftsgebiet zusammen, führte aber gleichzeitig Mercedes-Modelle in die Flotte ein. Die Nutzerzahlen hingegen wuchsen in den vergangenen fünf Jahren um den Faktor vier – wenn sie auch insgesamt betrachtet nach wie vor auf relativ niedrigem Niveau liegen. Gemessen an den Autos liegt Karlsruhe mit 2,15 Autos pro 1000 Einwohner vorne, die meisten Fahrminuten werden aber in Berlin absolviert.

E-Carsharing auf dem Land enttäuscht

Horb – Mit viel Brimborium eingeführt ist es jetzt schon wieder vorbei: Das Carsharing mit Elekteoautos in der baden-württembergischen Kleinstadt. Auch andernorts kommt Carsharing auf dem Land nicht in Schwung. Zu klein sind die Nutzerzahlen, zu knapp die Fahrzeugverfügbarkeit, zu weit die Entfernung zu den Stationen. Nur ein Dutzend Menschen hätten sich den Informationen der Stuttgarter Zeitung nach für den Carsharingdienst registriert. Nur 16% der Fixkosten konnten gedeckt werden – viel zu wenig, um das Projekt am Leben zu erhalten. Der Grund ist einfach: Elektrisches Carsharing könnte noch nicht kostendeckend betrieben werden. Selbst mit Fördergeldern sind die anfänglichen Investitionen in die Autos und die Ladeinfrastruktur so hoch, dass ein langfristig gesundes Unternehmen nicht entstehen kann. Hier ist Geduld gefragt. Erreichen E-Autos das preisliche Niveau von Autos mit Verbrennungsmotor und werden die Ladesäulen unabhängig vom Carsharing aufgestellt und betrieben, könnte trotz aller Widrigkeiten am Ende eine Erfolgsgeschichte stehen.

 

Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Carsharing-Projekten aus der ganzen Welt. Nicht nur Firmen und Start-ups mit dem Schwerpunkt Mobilität, auch Städte, Gemeinden und Privatpersonen stellen Fahrzeuge zum Teilen bereit. Mit dem Carsharing-Radar berichten wir regelmäßig über aktuelle Meldungen der Carsharing-Dienste und die neuen Projekte im In- und Ausland.

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Bild: Daimler

 

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