Carsharing-Radar 32|2016: Wann rechnet sich Carsharing endlich?

+++ Report: Ist Carsharing nur eine teure Spielerei der Hersteller? +++ Wie Carsharing Wohnraum schaffen kann +++ Lokal: Carsharing in Stadtbergen +++

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Carsharing rechnet sich noch lange nicht

Berlin – Wer sich einmal beim Mini-, BMW-, oder Mercedes-Benz-Händler umschaut, dem könnte beim Anblick der Neuwagenpreise ein Schauder über den Rücken laufen. Autos der Kompaktklasse kosten weit jenseits der 30.000 Euro ohne besondere Extras an Bord zu haben. Und nun gibt es Carsharing, bei dem genau diese Autos im Gegenwert eines soliden Jahreseinkommens einfach so für ein paar Cent in der Minuten ausgeliehen werden können. Ja selbst Versicherung und Kraftstoff sind inklusive. Da kann doch etwas nicht hinhauen? Anscheinend doch. DriveNow macht eigenen Angaben zufolge zumindest in Deutschland schon Gewinn. Wie der sich zusammensetzt, legt das Joint-Venture von BMW und der Autovermietung Sixt allerdings nicht offen, weltweit schreibt DriveNow Verluste. Bei allen größeren Mitbewerbern sieht die Welt hingegen anders aus. car2go ist noch weit von einer grünen Null entfernt. Die jüngst erfolgte Umstellung der Flotte nach Vorbild der erfolgreichen Kollegen bei DriveNow soll car2go attraktiver machen. Einem Report der Automobilzeitung AMS zufolge dient die aktuelle Form des Carsharings vor allem dazu, einen möglicherweise in Zukunft profitablen Markt zu erschließen und Anteile daran zu sichern. Auch ein Pluspunkt: Mit Carsharing lassen sich Zulassungszahlen super pimpen. Jeder zehnte in Deutschland verkaufte Smart geht an car2go. Überraschend? Nicht doch. Der Gebrauchtwagenmarkt verlangt nach jungen Gebrauchten mit guter Ausstattung und wenigen Kilometern. Der Carsharingalltag ist zwar hart, aber nach 12 Monaten werden die Fahrzeuge gründlich aufbereitet und an Zweitbesitzer übergeben. Und: Carsharing ist ein Markt, der gemessen an den Kundenzahlen überproportional wächst. Wann er jedoch so groß ist, dass signifikante Gewinne die horrenden Investitionskosten der Anfangszeit wettmachen, steht allerdings in den Sternen.

Wie Carsharingautos Wohnraum schaffen

München – Schöne neue Welt: Wer sich für moderne „Townhouses“ interessiert, wird schnell feststellen, dass oft eine früher für selbstverständlich gehaltene Möglichkeit immer mehr ins Hintertreffen gerät. Nämlich die, einfach in der Tiefgarage oder auf dem Gelände sein Auto parken zu können. Immer mehr Investoren gehen dazu über, mehr Wohnraum zu schaffen statt dem Auto der Bewohner Platz zu lassen. Was das alles mit Carsharing am Hut hat? Ganz einfach. Je mehr Bewohner einer Wohneinheit sich ein Auto teilen, desto mehr Wohnraum steht zur Verfügung. Carsharing kann dabei helfen. Es ist z.B. denkbar, dass in der Miete für eine Wohnung der Nutzungsanteil für ein Carsharing-Auto inkludiert wird. So kann von vorn herein auf die Anschaffung eines (eigenen) Autos verzichtet werden.

Carsharing der Stadtwerke in Stadtbergen

Stadtbergen – Dr. Walter Casazza rechnet stolz vor: „Wer unter 8000 Kilometer im Jahr Auto fährt, wäre mit einem Carsharing-Wagen eigentlich günstiger dran.“ Recht hat der Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung – wenn man in die Rechnung sämtliche Kosten eines eigenen PKW einbezieht. Denn der Unterhalt eines Autos kann zusammen mit dem Wertverlust schnell über 300 Euro landen. Auch, wenn man nur einen Kleinwagen fährt. Das Augsburger Carsharingmodell ist inzwischen richtig erfolgreich geworden. Knapp 60 Autos an 27 Standorten stehen den Kunden zur Verfügung. Mit Stadtbergen kommt nun der nächste relevante Standort hinzu. Mehr als 800 Kunden zählt das Carsharing der Stadtwerke Augsburg. Abgerechnet wird nach Kilometern (ab 18 Cent) und der Leihzeit (ab 1,60/Stunde). Das Ausleihen selbst funktioniert so einfach wie noch bis vor Kurzem bei car2go (vor der Umstellung auf Smartphone-only). Per Telefon, Internet oder App wird das gewünschte Auto reserviert. Die Kundenkarte öffnet das Auto, eine personalisierte PIN gibt das Auto frei.

 

Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Carsharing-Projekten aus der ganzen Welt. Nicht nur Firmen und Start-ups mit dem Schwerpunkt Mobilität, auch Städte, Gemeinden und Privatpersonen stellen Fahrzeuge zum Teilen bereit. Mit dem Carsharing-Radar berichten wir regelmäßig über aktuelle Meldungen der Carsharing-Dienste und die neuen Projekte im In- und Ausland.

Euch ist ein neuer Carsharing-Anbieter aufgefallen, über den wir noch nicht berichtet haben oder ihr seid selbst Gründer eines Carsharing-Angebots? Mailt uns einfach eure News und Informationen an carsharingradar@mietwagen-news.de. Wir nehmen eure Meldungen gerne in unser Carsharing-Radar mit auf.

Bild: MietwagenNews

 

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