Carsharing-Radar 27|2015: Carsharing als Zukunftsfaktor im Verkehr

+++ Carsharing-Boom in Deutschland +++ Aus-, Um- und Aufsteigen: Wie Carsharing den Öffentlichen Nahverkehr ergänzt +++ Cambio baut Elektro-Ladesäulennetz aus +++ Regional: Carsharing in Nordfriesland und Frankfurt am Main +++

Die aktuellen Carsharing-News aus dem In- und Ausland im Detail

Carsharing-Boom in Deutschland

Festzuhalten wäre: Es gibt in Deutschland zwei Lager. Die einen verfechten Carsharing, die anderen sehen darin nichts weiter als ein Nischenprodukt und den verzweifelten Versuch der Autoindustrie, neue Märkte zu erobern. Am Ende der langen Argumentations-Listen beider Parteien bleibt wie so oft ein Resümee: Sie haben beide Recht. Gesamtheitlich betrachtet, bleibt Carsharing ein kleines Nischenprodukt am Rande des Automarktes. Andererseits registrieren sich immer mehr Menschen für die Dienste von DriveNow oder car2go – den zwei Diensten, die die meisten Kunden auf sich vereinen. Der Bundesverband Carsharing vermeldet über eine Million registrierte Nutzer, eine ziemlich große Nische für ein Randprodukt. Das Modell Carsharing hat Erfolg. Nicht zuletzt durch die flexiblen Angebote der Free-Floating Anbieter. Selbst klassische Autovermietungen erkennen den Bedarf an Kurzzeitmieten. Europcar und Hertz haben Angebote im Programm, Autos stundenweise zu mieten. Wenn das kein Carsharing ist? Fast jeder Autohersteller probiert Carsharingmodelle, dekliniert sie zumindest durch. Bei Audi, Volvo, BMW und Porsche kann man oder wird man bald Premium-Autos für Kurzzeitmieten ausleihen können. Daimler und BMW, Citroen und Opel richten sich an den Massenmarkt. Wobei Opel hier wieder eine Sonderstellung einnimmt: Die Rüsselsheimer unterhalten gar keine eigene Flotte, sie kooperieren mit Tamyca – einer Plattform, auf der Privatpersonen ihre Autos feilbieten können. Carsharing entwickelt sich so immer mehr zum gesellschaftsfähigen Geschäftsmodell.

Zu-, Aus-, Um- und Aufsteigen mit Carsharing

„Diese Freiheit war irgendwie unheimlich.“ sagt ein BMW-Techniker gegenüber dem Internetportal nachrichten.at. Ein Satz, der durch und durch ehrlich gemeint ist und für Kenner der Autobranche ein Novum darstellt. Denn bei der Entwicklung der i-Baureihe von BMW stand am Anfang das viel zitierte weiße Blatt Papier und eine Idee. Nämlich Autos zu bauen, die in der Zukunft perfekt auf die Mobilitätsbedürfnisse der Kunden zielt. Dazu gehört auch, dass Autofahrern vom Navi empfohlen wird, die Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen – wenn dieser Weg deutlich schneller wäre als weiter im Stau zu stehen. Beim BMW i3 rückt nicht das Auto in den Mittelpunkt. Vielmehr ging es bei dem Entwurf um eine nachhaltige Verkehrsführung. Gerade in ländlichen Regionen macht Carsharing mit Elektroautos Sinn. Hier setzen die Anbieter vorwiegend auf stationsbasierte Modelle. So hat das Auto nach einer Fahrt genug Zeit, die Akkus wieder vollzuladen. Ein Wegfall des kostenintensiven Zweitwagens könnte so vielen Familien einige Fixkosten ersparen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine komfortabel zu erreichende Carsharing-Station und ein faires Abrechnungsmodell. Beide Gegebenheiten können nicht immer erfüllt werden.

Cambio Elekro-Ladesäulennetz aus

Cambio Carsharing setzt verstärkt auf die Vorteile der E-Mobility. In Köln werden derzeit Lücken im Ladesäulen-Netzwerk geschlossen und technische Möglichkeiten zum sofortigen Laden getestet. Im Laufes des Jahres sollen so alle Kunden ihr Auto spontan und ohne vorherige Registrierung aufladen können. Die Aktivierung der jeweiligen Ladesäule erfolgt dann per Smartphone und SMS. Insgesamt gibt es im Kölner Stadtgebiet 63 Standorte mit 165 Ladepunkten, schreibt autoflotte.de.

Regional: Carsharing in Nordfriesland und Frankfurt am Main

2014 war DAS Jahr für Carsharing in Frankfurt am Main. Wer hier noch selbst ein Auto unterhält, muss verdammt gut kalkulieren. Lohnen die Unterhaltskosten, die Werkstattaufenthalte, der Wertverfall überhaupt noch? Oder greife ich nicht besser auf eines der 650 Autos von book’n’drive, auf 250 Smarts von car2go oder 240 VW-Up von City-Flitzer zurück? Wer weit weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fährt und sein Auto nur gelegentlich nutzt, greift laut TÜV besser zum Carsharing. Wie die FAZ schreibt, „war so viel Mobilit noch nie.“ In Nordfriesland dürfte den Menschen vor Ort nun auch endlich ein Licht aufgehen. In Bezug auf Carsharing ist man in ländlichen Regionen tendenziell eher mäßig aufgestellt, die Angebote wären unrentabel weil sie von zu wenigen Kunden genutzt würden. Das Nordfriesland Tageblatt schreibt von einer Carsharing-Idee in Süderlügum, einem kleinen Ort mit 2.200 Einwohnern als Tor zur Ferieninsel Sylt. Stephan Wiese und Dirk Posch sind die Macher hinter eE4mobile. Ein Elektroauto soll her, die Idee für ein rentables Abrechnungsmodell steht bereits. So sollen neben einer Registrierungsgebühr auch Fixkosten wie die Haftpflichtversicherung auf die Nutzer umgelegt werden. Je mehr Menschen zum Projekt dazustoßen, desto geringer können also die Kosten für jeden Einzelnen ausfallen. Allerdings müssen alte Denkmuster aufgebrochen werden, so Wiese gegenüber der Zeitung: „Erstaunlicherweise ist für viele der eigene Wagen noch ein Statussymbol.“ Trotzdem sieht Wiese Chancen für das Carsharing. „Man fängt in einem Dorf mit einem Auto an. Und wenn es dann läuft, dann kommt ein weiteres Auto in einem weiteren Dorf dazu.“ So einfach, so gut? Das wird sich zeigen.

 

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Bild: DriveNow

 

 

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