Carsharing-Radar 25|2015: Flickenteppich Carsharing

+++ Carsharing deckt nur einen Bruchteil des Mobilitätsbedarfes +++ Fahrrad, Bus, Bahn, Carsharing: Wie Deutschland sich bewegt +++ Regional: Carsharing in Horb schon kurz vor dem Aus? +++

Die aktuellen Carsharing-News aus dem In- und Ausland im Detail

Carsharing nur ein Teil der Gesamtmobiliät

„Jedes Mobilitätskonzept konkurriert letztendlich mit dem eigenen Auto, das in der Tiefgarage steht und muss daher genauso einfach und bequem zu handhaben sein" – mit dieser These trifft Andreas Schuster von Green City e.V. voll ins Schwarze. Denn genau so muss Carsharing funktionieren. Das System muss so einfach und kostengünstig sein, dass es auf die Zustimmung einer breiten Allgemeinheit trifft. Gegenüber dem Online-Portal ALLE-AUTOS-IN.DE stimmt Peter Schwarzenbauer zu. Der BMW-Vorstand sehe das Carsharing-Unternehmen DriveNow als „Mosaikbaustein“ des Gesamtkonzepts. BMW experimentiert außerdem mit Parkflächen-Apps oder Ladesäulen-Netzwerke. Autobauer schaffen immer mehr Nischenmodelle. Der Drang nach individueller Mobilität wird BMW aber nicht damit abdecken können, verschiedene Autos zu verkaufen. Vielmehr richtet sich das tägliche Bedürfnis nach bestimmten Launen: Heute ein flotter Zweisitzer mit Cabriodach, morgen die Business-Limousine für den Geschäftstermin. Lange Wege werden mit dem Zug oder per Flugzeug absolviert. Am Zielort angekommen, darf es gerne wieder ein Mietwagen oder ein Carsharing-Auto sein. Zusammen mit Sixt deckt BMW bereits eine breite Angebotspalette ab.

Fahrrad, Bus, Bahn, Carsharing in Deutschland

Das stationsbasierte Carsharing ist wie das Freefloating genannte flexible Modell im Aufschwung. In über 490 Städten gibt es inzwischen Carsharing-Angebote, viele davon als Vereinsinitiativen oder private Modelle. Einige Anbieter sind aber auch national tätig. Mit Flinkster, car2go black oder Hertz 24/7 können sogar Einwegmieten in Deutschland gebucht werden. Das funktioniert mit DriveNow nicht. Dafür stehen die Autos der Freefloating-Anbieter fast überall im Stadtgebiet. Wer also mit dem Zug oder Fernbus z.B. in Berlin ankommt, kann mit dem Carsharing-Auto die letzten Kilometer bis zum Ziel fahren. Im Sommer sind neben den Autos auch Leihräder eine Alternative. Bei Call a Bike der Deutschen Bahn sind die ersten 30 Minuten kostenlos, Zweitfahrer können sich ebenso ein Fahrrad leihen. Auf den stabilen Gepäckträgern können sogar kleinere Koffer mitgenommen werden.

Regional: Schafft Horb das Carsharing schon wieder ab?

Carsharing trifft nicht überall auf so nahrhaften Boden wie z.B. in der inoffiziellen Carsharing-Hauptstadt Berlin. Einigen lokalen Anbietern gehen die Kunden aus, die laufenden Kosten können nicht gedeckt werden. Oder es müssen jahrelang Fördergelder fließen, um das Projekt am Leben zu erhalten. Beispiel Horn: In der Kleinstadt startete vor gut einem Jahr ein stationäres Carsharing mit zunächst vier Autos. Doch selbst nach dieser relativ langen Anlaufphase konnten gerade mal 12 Kunden akquiriert werden, die Gemeinde muss 500 Euro pro Monat und Auto zuschießen. Möglicherweise bleibt für die kleine Gruppe treuer Nutzer am Ende nur das Elektroauto übrig, die Verbrenner gehen wieder an den hersteller zurück. TeilAuto Tübingen muss sich konsolidieren um schwarze Zahlen zu schreiben. Das anfangs ambitioniert gestartete Projekt muss nun die bittere Pille schlucken. Wie der Schwarzwälder-Bote schreibt, könnte TeilAuto Tübingen in Horb tatsächlich scheitern.

Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Carsharing-Projekten aus der ganzen Welt. Nicht nur Firmen und Start-ups mit dem Schwerpunkt Mobilität, auch Städte, Gemeinden und Privatpersonen stellen Fahrzeuge zum Teilen bereit. Mit dem Carsharing-Radar berichten wir regelmäßig über aktuelle Meldungen der Carsharing-Dienste und die neuen Projekte im In- und Ausland.

Euch ist ein neuer Carsharing-Anbieter aufgefallen, über den wir noch nicht berichtet haben oder ihr seid selbst Gründer eines Carsharing-Angebots? Mailt uns einfach eure News und Informationen an carsharingradar@mietwagen-news.de. Wir nehmen eure Meldungen gerne in unser Carsharing-Radar mit auf.

Bild: DriveNow

 

 

Kommentar verfassen