Carsharing-Radar 22|2016: „Autos sind wie Immobilien – sie stehen herum“

+++ Interview mit DriveNow CEO Nico Gabriel (fr-online) +++ Lokal: Carsharing in Reichenau, Zwickau und Leipzig +++

Die aktuellen Carsharing-News kompakt gebündelt

Carsharing als Teil der städtischen Mobilität

München – „Gerade in Städten sind Autos Immobilien. Sie stehen häufig tagelang ungenutzt im öffentlichen Raum.“ Sagt Nico Gabriel, Geschäftsführer von DriveNow im Gespräch mit der Onlineausgabe der Frankfurter Rundschau. Viele Menschen haben ein eigenes Auto aus Gründen der Bequemlichkeit. Sie können jederzeit spontan überall hinfahren – unabhängig vom öffentlichen Nahverkehr oder anderen Transportdienstleistern. Die Sache hat nur einen Haken: Der ausufernde Straßenverkehr. Carsharing kann ein Mittel dagegen sein. Denn ein geteiltes Auto kann drei Privatautos ersetzen – hier spricht Nico Gabriel von „konservativen Schätzungen.“ DriveNow gehe davon aus, dass es eher mehr seien. Interessant ist auch die Zahl derjenigen, die aufgrund ihrer Mitgliedschaft bei DriveNow das eigene Auto abgeschafft haben. Laut Gabriel liegt der Anteil bei 12% aller DriveNow-Kunden – davon nannten zwei Drittel Carsharing als alleinigen Grund, aufs eigene Auto verzichten zu können. Anfangs hatten die Stadträte insbesondere in München noch Bedenken gegenüber dem Konzept des Carsharings. Doch Restriktionen wie Parkverbote in Anwohner-Parkbereichen oder rund um den Hauptbahnhof wurden fallen gelassen. Das zeigt die Überzeugungskraft von Carsharing.

Lokal: Carsharing in Reichenau, Zwickau und Leipzig

Gemeinde Reichenau – Einnahmen von monatlich 300 bis 400 Euro bräuchte es, um ein Carsharing-Projekt auf die Beine zu stellen, mehrere Interessenten hätten sich bei der Eröffnungssitzung bereitwillig dazu erklärt, auch 100 Euro im Monat zu bezahlen – das ist immer noch weitaus weniger, als ein Privatauto kosten würde. Ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Reichenau, der evangelischen Kirche und dem sog. „BUND“ (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) möchte eines oder bei Interesse auch mehrere Elektrofahrzeuge anschaffen, die Mitgliedern zur Verfügung stünden. Das besondere an dem Konzept: Der Strom soll zu 100% aus regenerativen Energiequellen stammen.

Zwickau und Leipzig – Nicht überall funktioniert Carsharing so erfolgreich wie z.B. in Berlin, wo DriveNow seit geraumer Zeit schwarze Zahlen schreibt. Wie freiepresse.de berichtet, ist FM Future Mobility zahlungsunfähig und stellt sich nun neu auf. Als erster großer Schritt steht der Umzug der Firmenzentrale nach Leipzig an. Das sei eine Entscheidung, die dem neuen Eigentümer obliege, so Frank Schönefeld, dem alten Chef von FM Future Mobility. Man habe sich über die Unterstützung aus Westsachsen gefreut. Auch wenn das Potential nicht so groß sei wie in den größeren Städten Leipzig oder Dresden. Die Menschen waren offen für das Konzept aus Carsharing und Elektromobilität. Der große Kapitalbedarf eines Start-Ups konnte aber nicht gedeckelt werden. Die Nachfrage seitens der Kunden war größer, als die Leistungen es hätten abdecken können. Deshalb muss es jetzt ein Neustart richten.

 

Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Carsharing-Projekten aus der ganzen Welt. Nicht nur Firmen und Start-ups mit dem Schwerpunkt Mobilität, auch Städte, Gemeinden und Privatpersonen stellen Fahrzeuge zum Teilen bereit. Mit dem Carsharing-Radar berichten wir regelmäßig über aktuelle Meldungen der Carsharing-Dienste und die neuen Projekte im In- und Ausland.

Euch ist ein neuer Carsharing-Anbieter aufgefallen, über den wir noch nicht berichtet haben oder ihr seid selbst Gründer eines Carsharing-Angebots? Mailt uns einfach eure News und Informationen an carsharingradar@mietwagen-news.de. Wir nehmen eure Meldungen gerne in unser Carsharing-Radar mit auf.

Bild: DriveNow

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