Carsharing-Radar 19|2015: In die Breite

+++ Carsharing soll in die Breite wachsen +++ Carsharing als günstiger Dienstwagen-Ersatz +++ Carsharing nur von Unternehmen offiziell? +++ E-Carsharing: Aalen, Tulln und Hausen mit neuen E-Autos zum Teilen +++

Die aktuellen Carsharing-News aus dem In- und Ausland im Detail

Carsharing soll in die Breite wachsen

Es ist zum Davonlaufen: Schon einige Zeit warten die Menschen in Wiesbaden und Mainz auf flexiblere Carsharing-Angebote. Stationäre Autos zum Teilen sind vorhanden, was fehlt ist die kluge Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr statt Mietwagen-light. Doch um sogenanntes Freefloating-Carsharing kostendeckend betreiben zu können, muss eine gewisse Einwohnerdichte vorherrrschen. Der Grund dafür ist simpel wie einleuchtend: Eine Carsharing-Miete dauert oft nur wenige Minuten, die täglichen Einnahmen in weniger stark frequentierten Städten würden nicht in Relation zu den Kosten stehen, die eine attraktive also gut erreichbare Flotte verursacht. Sowohl car2go als auch DriveNow, die jeweils in den Metropolregionen sehr erfolgreich agieren, können sich ihr Modell in ländlicheren Regionen vorstellen. Gegenüber der TZ sagt Almut Stollberg, dass DriveNow sich zunächst auf Großstädte und Metropolregionen konzentriere. Free Floating sei für Städte gedacht, die bereits ein ausgereiftes Verkehrsnetz haben. Dort können Lücken im Fahr- und Stadtplan geschlossen werden. Auf dem Land ist jedoch die Erreichbarkeit der Fahrzeuge nicht immer gewährleistet. Ein spontanes Anmieten klappt nur, wenn das nächste Auto in wenigen Gehminuten zu erreichen ist – steht es zu weit abseits, kann es nicht genutzt werden. Dennoch wünscht sich die Wiesbadener Verkehrsdezernentin Sigrid Moricke ein felxibleres Angebot der großen Carsharer – zu befürchten ist aber, dass dieser Wunsch aus Kostengründen unerfüllt bleibt.

Carsharing als günstiger Dienstwagenersatz

Ein Dienstwagen gilt als Statussymbol – noch wie vor sind sie als Bestandteil des Gehaltpaketes ein Zeichen der Wertschätzung von der Firma für den Angestellten. Doch immer häufiger steigen die Kosten für die Fuhrparks großer Unternehmen - laut manager-magazin sind die Flotten inzwischen der zweitteuerste Fixkostenpunkt hinter den Gehältern. Es erscheint daher nur verständlich, dass betroffene Firmen nach Wegen der Einsparung suchen. Corporate Carsharing lautet ein Ausweg aus dem Dilemma. Es ist noch ein stiefmütterlich behandelter Geschäftszweig, der laut Gerd Heinemann vom Kölner Berater BEE Automotive enormes Wachstumspotential aufweise. Zwar wird das eigene Auto den Stellenwert als Statussymbol nicht so schnell verlieren, wie der TÜV in einer Studie herausfand. Dennoch werden früher oder später die Kosten der Fuhrpark ein bestimmender Faktor sein, über den nicht mehr viele Arbeitgeber diskutieren werden. Speziell im niedrigen und mittleren Management werden daher firmeninterne Carsharing-Fuhrparks Einzug halten, die eine größere Flotte individueller Firmenwagen ablöst.

Carsharing nur von Unternehmen offiziell?

Ein kühner Gedanke: Carsharing, so wie es im Augenblick in der Gesellschaft etabliert wird, ist eigentlich kein neuer Gedanke. Seit jeher werden Autos geteilt – und zwar innerhalb einer Familie, also mindestens von zwei Mitgliedern einer Nutzergruppe. Dieser Ansatz muss bei der Vergabe von Sonderrechten für Carsharing-Autos u.U. neu bedacht werden. Im Moment betrachtet das neue Carsharing-Gesetz lediglich die geteilten Autos der etablierten Anbieter. Außerdem kommen Mietwagen bei der Betrachtung der Umwelt- und Parkraumbelastung noch zu kurz oder werden sogar gänzlich außen vor gelassen. Sind sie nicht auch temporär genutzte Autos, die Privat-PKW ersetzen? Gebührt ihnen nicht auch das Sonderrecht, Busspuren oder bestimmte Parkflächen zu nutzen? Der Gedanke wäre für alle Mietwagen-Fahrer und Familien herausragend, löst jedoch nicht das Verkehrsproblem der Städte in Stoßzeiten.

E-Mobility: Aalen, Tulln und Hausen mit neuen Elektroautos zum Teilen

Beim Carsharing legen die Nutzer nur kurze Strecken zurück, die Standzeit (nachts!) nach hoch frequentierten Nutzungszeiten reicht in fast immer für eine vollständige Akkuladung. Warum sollen E-Fahrzeuge also nicht die idealen Autos für stationäres Autoteilen sein? Es gibt kaum Gründe dagegen – dachten sich auch die Städte Aalen, Tulln und Hausen. In Aalen stehen seit Kurzem sechs Smarts mit eDrive zur Verfügung. Die Zweisitzer bieten für schnelle Einkäufe zu zweit genügend Stauraum. Mit ca. 120 Kilometer Reichweite besteht auch kein Grund zur Sorge, dass man mangels Strom liegen bliebt. In Tulln und Hausen setzen die Macher auf den Renault ZOE. Der Viertürer hat etwas mehr nutzbaren Raum als der Smart. Dank der Initiativen vor Ort werden in naher Zukunft auch mehr und mehr E-Zapfsäulen installiert, auf die unterwegs zugegriffen werden kann.

Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Carsharing-Projekten aus der ganzen Welt. Nicht nur Firmen und Start-ups mit dem Schwerpunkt Mobilität, auch Städte, Gemeinden und Privatpersonen stellen Fahrzeuge zum Teilen bereit. Mit dem Carsharing-Radar berichten wir regelmäßig über aktuelle Meldungen der Carsharing-Dienste und die neuen Projekte im In- und Ausland.

Euch ist ein neuer Carsharing-Anbieter aufgefallen, über den wir noch nicht berichtet haben oder ihr seid selbst Gründer eines Carsharing-Angebots? Mailt uns einfach eure News und Informationen an carsharingradar@mietwagen-news.de. Wir nehmen eure Meldungen gerne in unser Carsharing-Radar mit auf.

Bild: car2go

 

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