Carsharing-Radar 14|2015: Carsharingdisput

+++ Ist Carsharing eine Konkurrenz für den Öffentlichen Nahverkehr? +++ CiteeCar als bestes Carsharing ausgezeichnet +++ Carsharing in Frankfurt mit einigen Stolpersteinen +++ Mit Drivy das eigene Auto teilen +++ Die Auto-Teiler in Klosterlechfeld +++

Die aktuellen Carsharing-News aus dem In- und Ausland im Detail

Carsharing Konkurrenz für die „Öffis“?

Und schon wieder geht die Diskussion von vorne los. Zwar haben sich Carsharing-Anbieter mittlerweile bestens in die Szenerie der Großstadt integriert und sind zu einem festen Bestandteil in der Wegeplanung mobiler Trendsetter geworden. Die Kritik einiger Stimmen reißt dennoch nicht ab. Aus Hamburg kommt die Beratungsfirma Civity, die den Nutzen der Carsharing-Angebote infrage stellt. Die Aussage in der Morgenpost wiederholt die Vorwürfe aus dem Vorjahr: Carsharing steht in Konkurrenz zum Fahrrad und zu den Öffentlichen Nahverkehrsangeboten. Dabei lassen die Kritiker außer Acht, dass Carsharing-Angebote vor allem den Privat-PKW ergänzen oder sogar ersetzen können: 7% haben das eigene Auto aufgrund der Carsharing-Angebote aktiv verkauft, 25% wollen sich erst gar kein eigenes Auto anschaffen, verkünden car2go und DriveNow bei einer gemeinsamen Veranstaltung. Civity hat einen eigenen Standpunkt: im Straßenverkehr hätten Mietwagen keine Relevanz, böten den Autoherstellern aber erhebliche Umsatzpotentiale.

CiteeCar als bestes Carsharing ausgezeichnet

Focus Money hat den Carsharing-Anbieter CiteeCar als bestes Carsharing ausgezeichnet. Hinsichtlich der Versicherungsbedingungen und der Möglichkeit, die Selbstbeteiligung auf Null zu senken, hat der stationsbasierte Anbieter die Nase vorn. Ein weiter Vorteil der Versicherung bei CiteeCar: Sie wird nutzungsabhängig pro Fahrtminute abgerechnet, nicht mit einer Pauschale für die komplette Miete verrechnet. In einer Rechnung von 1.500 gefahrenen Kilometern pro Jahr ergibt sich dadurch ein Kilometerpreis von 28 Cent – alle Kosten schon mitgerechnet.

Carsharing in Frankfurt mit einigen Stolpersteinen

Es wäre das perfekte Szenario: Irgendwo ein Auto mieten, mit ihm in die Stadt fahren, irgendwo wieder abstellen und bei Bedarf für die Rücktour gleich wieder ein Carsharing-Smart mitnehmen. Doch so einfach wie es sich in der Phantasie anhören mag, ist es in der Realität nicht. Viele Hindernisse stehen dem flächendeckenden Freefloating Carsharing im Weg. An erster Stelle steht dabei der Kostenpunkt. Denn mit Autos, die lange an einem Fleck stehen, verdienen die Anbieter kein Geld. Denn: Je größer das abzudeckende Gebiet, desto geringer fällt die Nutzungsfluktuation aus. „Die Problematik ist jedoch, dass Carsharing vor allem dort gut funktioniert, wo der ÖPNV ebenfalls gut funktioniert.“sagt Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der Organisation Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement aus Frankfurt gegenüber der FAZ. Der ursprüngliche Gedanke, in der Finanzmetropole bis zu fünf Anbietern rund 400 Lizenzen anzubieten, ist vorerst gescheitert. DriveNow konnte mit dieser geringen Anzahl an Fahrzeugen nichts anfangen, car2go hat ein eigenes Modell entwickelt. Inzwischen ist man bei der Stadt Frankfurt ratlos. „Der Gedanke ist gestorben“, sagt Verkehrsdezernent Stefan Majer.

Mit Drivy das eigene Auto teilen

Das Start-Up Drivy kommt nach der erfolgreichen Testphase in Berlin, Hamburg und München nun an den Rhein. Das Konzept ist simpel: Über die App bekommt man Buchungsanfragen für das eigene Auto, eine Verwaltung der eingehenden Anfragen lässt sich schnell und unkompliziert übers Smartphone erledigen. Andersherum geht es genauso einfach. Ungenutzte Privat-PKW können so schnell ausfindig gemacht werden. Der weite Weg zu den klassischen Autovermietern Sixt, Hertz, Avis und Co. soll damit der Vergangenheit angehören. Die Mindestmietdauer beträgt einen halben Tag. Drivy ist damit kein Konkurrenzprodukt zu Carsharing-Anbietern wie car2go oder DriveNow. Gero Graf, Chef von Drivy, sagt gegenüber der Rheinischen Post, dass man ein Prozent der städtischen Autobesitzer überzeugen wolle. Damit könne man das Auto kostendeckend refinanzieren.

Die Auto-Teiler in Klosterlechfeld

In der Stadt hat sich Carsharing mittlerweile als fester Bestandteil des Mobilitätsmixes entpuppt – aller Unkenrufe zum Trotz, die Menschen nehmen das Angebot gerne an. Auf dem Lande tut sich Carsharing hingegen schwer. Die Fahrzeugverfügbarkeit ist nicht immer ideal, die Wege zum stationierten Auto möglicherweise zu weit. In Klosterlechfeld möchte Jürgen Müller von dieser Situation nichts mehr wissen. Als Vorsitzender des Vereins Königsbrunner Auto-Teiler ist er stolz auf die Entwicklung des Fuhrparks, wie er der Augsburger Allgemeinen Zeitung erzählt. Auf sechs Autos können die 120 Mitglieder zurückgreifen, sogar ein Fahrzeug mit Rollstuhlplatz ist verfügbar. Die Nutzungsgebühr der Carsharing-Autos beträgt je Stunde einen Euro, pro Kilometer werden je nach Fahrzeug (inklusive Kraftstoff) 19 bis 36 Cent fällig – durchaus konkurrenzfähig zu anderen Carsharing-Angeboten.

 

Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Carsharing-Projekten aus der ganzen Welt. Nicht nur Firmen und Start-ups mit dem Schwerpunkt Mobilität, auch Städte, Gemeinden und Privatpersonen stellen Fahrzeuge zum Teilen bereit. Mit dem Carsharing-Radar berichten wir regelmäßig über aktuelle Meldungen der Carsharing-Dienste und die neuen Projekte im In- und Ausland.

Euch ist ein neuer Carsharing-Anbieter aufgefallen, über den wir noch nicht berichtet haben oder ihr seid selbst Gründer eines Carsharing-Angebots? Mailt uns einfach eure News und Informationen an carsharingradar@mietwagen-news.de. Wir nehmen eure Meldungen gerne in unser Carsharing-Radar mit auf.

Bild: DriveNow

 

Ein Kommentar zu “Carsharing-Radar 14|2015: Carsharingdisput

  1. Pingback: Carsharing erfüllt Mobilitätsbedürfnisse | mietwagen-news.de

Kommentar verfassen