Carsharing-Radar 04|2016: Carsharing muss profitabler werden

 

+++ Bleibt Carsharing beim aktuellen Preiskampf, werden mehr Anbieter verschwinden +++ Fahren Carsharing-Nutzer rücksichtslos? +++ BMW i3, Sprinter Corsa und Co im Augsburger Carsharing +++

Die aktuellen Carsharing-News aus dem In- und Ausland im Detail

Die wenigsten Anbieter arbeiten profitabel

Was treibt Unternehmen wie Sixt und BMW dazu, ein Carsharing zu gründen? Machen sie es, weil sie den Menschen etwas schenken möchten? Weil sie der Umwelt einen grünen Dienst erweisen wollen? Oder weil sie Abnehmer für ihre Autos suchen. Und potentielle Kunden erreichen möchten um Geld zu verdienen. Richtig! Irgendwann muss auch ein langfristig angelegtes Projekt wie ein Carsharing-Unternehmen Profit erwirtschaften. Nur dem Zwecke der Refinanzierung braucht so ein Testballon nicht lange am Leben erhalten werden. Deshalb verschwinden immer wieder Anbieter vom Markt. Die es –  anders als DriveNow – nicht in die Gewinnzone schafften. Sie brechen unter dem Preisdruck zusammen, den sie im Kampf um mehr Kunden selbst mitgestaltet haben. So zum Beispiel CiteeCar. Letztes Jahr feierten sie noch Erfolge als preisgekröntes weil günstigstes Carsharing. Jetzt sind sie defacto nicht mehr da. Wie die wirtschaftswoche schreibt, scheint auch das Citroen-Carsharing Multicity nicht sonderlich bei den Kunden anzukommen. Was zieht: BMW i3 statt Citroen C-Zero, eben Premium statt einfach nur günstig. DriveNow zählt sich zu den wenigen profitablen Unternehmen der Carsharing-Branche. In allen Städten steige einer Sprecherin zufolge die Kundenzahl, Berlin sei besonders erfolgreich – eben die Stadt, in der es andere Anbieter so schwer haben. Hat Carsharing hier seinen Zenit erreicht?

Schwerer Unfall in Berlin mit Carsharing-Auto

Wieder ereignete sich in Berlin ein schwerer Unfall – verursacht von einem Carsharing-Auto. Wie in einem Bericht des Berliner Kuriers geschildert, fuhr eine junge Frau offenbar viel zu schnell mit ihrem gemieteten BMW i3 von DriveNow und übersah dabei ein Stopp-Schild. Auf der Vorfahrtsstraße querte ein Taxi den Weg, es kam zur Kollision. Alle beteiligten Personen, darunter ein Kind, wurden verletzt und mussten ins Krankenhaus. Zwar würden dem Bericht zufolge keine Statistiken erhoben, wie oft Carsharing-Autos in Unfälle verwickelt seien. Experten glaubten aber, dass Carsharing-Autos viel zu schnell fahren, blinken beim Abbiegen nicht oder legen ganz allgemein eine unsichere Fahrweise mangels Fahrpraxis durch ein eigenes Auto an den Tag. Ein Problem für zu schnelles und rücksichtsloses Fahren sei den Experten zufolge außerdem die Abrechnung nach Zeit. Die Minuten ticken, die Fahrer versuchen das wieder reinzuholen. DriveNow würde gerne vor der Registrierung risikofreudiger Fahrer eine Hintergrundprüfung durchführen. Aus Datenschutzgründen ist das aber nicht möglich. Davon einmal abgesehen, gibt es unter vielen Verkehrsmitteln Rowdies, die sich zeitweise nicht an die Verkehrsregeln halten – hierzu zählen auch Berufskraftfahrer. Die schwarzen Schafe sind also nicht immer nur wegen eines Unfalls beim Carsharing-Fahrer zu suchen. Dazu müsste lediglich die Frage beantwortet werden, wie viele Unfälle ohne Carharing-Beteiligung passieren. Die Zahl dürfte überraschen.

swa Carsharing in Augsburg

In Augsburg ist ein Carsharing-Netzwerk bereits sehr erfolgreich gestartet. Die Stadtwerke Augsburg richteten zunächst acht Stationen im Stadtgebiet ein, an denen z.B. BMW i3 wie bei DriveNow, Opel Corsa oder für die großen Sachen auch Mercedes Sprinter ausgeliehen werden können. 25 Autos sollte die Flotte erst einmal umfassen, inzwischen ist sie auf 42 Auto an 21 Standorten gewachsen- obwohl der Startschuss erst am 11. April 2015 fiel. Seither sind bereits mehr als 500 Kunden für swa Carsharing registriert, wie ein Unternehmenssprecher gegenüber MietwagenNews mitteilte. Interessierte können am Carsharing teilnehmen, indem sie einen Nutzervertrag im swa-Zentrum unterzeichnet haben. Hier werden einmalig eine Kaution sowie eine Aufnahmegebühr fällig. Autos können dann über das Internet, eine Smartphone-App oder telefonisch reserviert werden. Die Fahrt selbst wird dann nach Zeit- und Wegstreckenfaktoren berechnet. Hinzu kommt eine monatliche Gebühr von pauschal sieben Euro pro Person. Quelle: newstix.de

 

Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Carsharing-Projekten aus der ganzen Welt. Nicht nur Firmen und Start-ups mit dem Schwerpunkt Mobilität, auch Städte, Gemeinden und Privatpersonen stellen Fahrzeuge zum Teilen bereit. Mit dem Carsharing-Radar berichten wir regelmäßig über aktuelle Meldungen der Carsharing-Dienste und die neuen Projekte im In- und Ausland.

Euch ist ein neuer Carsharing-Anbieter aufgefallen, über den wir noch nicht berichtet haben oder ihr seid selbst Gründer eines Carsharing-Angebots? Mailt uns einfach eure News und Informationen an carsharingradar@mietwagen-news.de. Wir nehmen eure Meldungen gerne in unser Carsharing-Radar mit auf.

Bild: CiteeCar

 

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