Carsharing-Radar 02|2016: Audi mit weiteren Schritten Richtung Carsharing

+++ Audi will mit neuen Ideen in den Carsharing-Markt +++ Flinkster zieht sich aus Wien zurück – Warum? +++ Regional: Geteiltes Auto kein halbes Auto +++ Uber setzt Daimler-Carsharing unter Druck +++

Die aktuellen Carsharing-News aus dem In- und Ausland im Detail

Audi will Premium-Carsharing

Eine Exklusiv-Meldung der WirtschaftsWoche lässt den Carsharingmarkt hellhörig werden – Audi will in das attraktiove und möglicherweise zukunftsfähige Geschäft einsteigen. Doch anders als BMW und Daimler will Audi nicht in den Massenmarkt. Nach Informationen der WirtschaftsWoche plant Audi ein umfassendes Carsharing-Angebot auf Konzeptbasis der bereits erfolgreich getesteten Variante. Dazu gehören z.B. Audi select oder Audi unite. Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter erklärte im Interview mit der WirtschaftsWoche, Premium-Kunden teilten nicht aus Kostengründen, sondern aus Spaß am gemeinsamen Erleben, an entsprechender Qualität und höchstem Komfort. Für diese Ansprüche emntwickele Audi seine Dienste. Free Floating Systeme nach dem Muster von DriveNow (BMW und Sixt) oder car2go (Daimler) kommen für Audi nicht infrage. Voggenreiter bekräftigt: „Für viele unserer Premium-Kunden ist das kein attraktives Konzept. Sie teilen mit Freunden und mit Nachbarn, aber nicht mit jedem x-beliebigen. Das Auto ist für viele Menschen immer noch so etwas wie die eigene Wohnung: Da lässt man nicht jeden rein.“ In den USA hat Audi beispielsweise jüngst 28 Millionen Dollar in den Autovermieter Silvercar investiert. Die Flotte des Vermeiters besteht zu 100% aus Audi A4, die per App gebucht und geöffnet werden können.

Aus für Flinkster in Wien – zu wenig Platz

Schon jetzt kündigt Flinkster Wien an, sich aus der Hauptstadt Österreichs zurück zu ziehen. Noch sind 55 Autos in der Flotte die nun Schritt für Schritt abgezogen werden. In Wien scheint der Markt vor allem die Freeflaoting-Angebote von DriveNow und car2go anzunehmen. Der Vorteil: statt das Auto nach der Miete wieder zum Ausgangspunkt zurück zu bringen wie bei Flinkster, können Freefloating-Kunden ihre Fahrt an beliebigen öffentlich zugänglichen Punkten im Geschäftsgebiet parken. Ultrakurzstrecken mit Einwegmieten sind also möglich. Die Bahn als Dachgesellschaft von Flinkster sieht einem Bericht von diepresse.com nach keine Möglichkeit, das Angebot aufrecht zu erhalten. Flinkster-Autos können an mehr als 200 Standorten in Deutschland gemietet werden. Von Wien nimmt der Service „aus wirtschaftlichen Gründen“ Abstand – Flinkster war in Wien innerhalb des Businessplans nicht profitabel.

Regional: Carsharing in Ottobrunn und Neubiberg?

Der eine will, der andere nicht. Macht ja nichts. Oder? Wenn ein Auto geteilt werden soll, schon. Einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung nach hielten zunächst alle Vertreter der Gemeinden Ottobrunn und Neubilberg die Idee von einem Carsharingverein für machbar. Zwischen den beiden Kommunen sollte ein Fuhrpark von klassichen Benzin- und modernen Elektroautos geteilt werden. In der Planungsphase hat sich ein rein gemeinnütziges Carsharing nicht durchgesetzt. Von dieser Idee ist man mittlerweile abgerückt. Jean Marcel Prasser aus Ottobrunn meint: „Natürlich müssen wir uns an den Bedürfnissen der potenziellen Nutzer orientieren. Aber ein solches Modell muss unbedingt wirtschaftlich orientiert sein, ein Businessplan ist nötig. Nur dann kann man auf die Zukunft ausgerichtet erfolgreich sein“ Jetzt soll es aber schon im März losgehen. Ziel wird es sein, eine profitable Firma aufzubauen. Die „ImmerMobil eG“ soll Arbeitsplätze schaffen. Neubibergs Bürgermeister Heyland denkt dabei nicht nur wirtschaftlich. „Finanziell ist das Risiko gering, ich werde das demnächst im Gemeinderat besprechen. Carsharing gehört zum Neubiberger Klimaschutzkonzept.“

Carsharing durch Fahrdienste unter Druck

Am Rande der Elektronikmesse CES in Las Vegas gab der Strategiechef von Daimler dem Börsenmagazin Dow Jones Newswires gegenüber zu, dass Carsharing durch Fahrdienste wie Uber unter hohem Druck stünde. Beide Geschäftsmodelle würden miteinander konkurrieren. Aus der Sicht der Kunden sei es bequemer, sich von einem Uber-Fahrer abholen zu lassen statt zu einem Carsharing-Auto zu laufen. Weiter hieß es, Daimler wolle in Wettbewerb mit Uber treten und ebenfalls in einen Fahrdienst investieren. In Zukunft könnten durch die Entwicklung bei autonom fahrenden Autos noch mehr automatische Fahrdienste die Mobilitätsbedürfnisse der Daimler-Kunden abdecken. Trotz der neuen Geschäftsfelder rechnet Daimler aber auch it einem Wachstum im Kerngeschäft – dem Autoverkauf. „Die Entwicklung bedeutet im Übrigen einen Vorteil für die Anbieter von besonders hochwertigen Fahrzeugen. Künftig können es sich mehr Menschen leisten, Premium-Autos zu fahren“ sagte der Daimler-Strategieschef.

Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Carsharing-Projekten aus der ganzen Welt. Nicht nur Firmen und Start-ups mit dem Schwerpunkt Mobilität, auch Städte, Gemeinden und Privatpersonen stellen Fahrzeuge zum Teilen bereit. Mit dem Carsharing-Radar berichten wir regelmäßig über aktuelle Meldungen der Carsharing-Dienste und die neuen Projekte im In- und Ausland.

Euch ist ein neuer Carsharing-Anbieter aufgefallen, über den wir noch nicht berichtet haben oder ihr seid selbst Gründer eines Carsharing-Angebots? Mailt uns einfach eure News und Informationen an carsharingradar@mietwagen-news.de. Wir nehmen eure Meldungen gerne in unser Carsharing-Radar mit auf.

Bild: schwerunterwegs

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