Autolib’: Mehr Schulden als Paris lieb ist

Paris –  In Frankreich kommt es zum Carsharing-Eklat. Mit großen Vorschußlorbeeren gestartet, sitzt Autolib’ auf einem schuldenberg von 300 Millionen Euro. Von der versprochenen „Freiheit der Autos“ ist nichts zu spüren. Der Dienst wird nun eingestellt.

 Stark verdreckte Carsharingautos, die zu zu selten fahren

Autolib’ wurde als DIE Hoffung der verstopften Pariser Straßen gefeiert. Insgesamt 4.000 Elektroautos sollten zahlreiche private PKW ersetzen und Menschen eine Alternative zum umständlichen Metrosystem bieten. Doch nun ist Schluss damit. Betreiber und Stadt können sich nicht auf eine solide Finanzierung einigen. Der Großinvestor Vincent Bolloré verlangte von der Stadt einen jährlichen Zuschuss von 46 Millionen Euro aus Steuergeldern. Er wollte damit die Flotte wieder flott machen, die seit zwei Jahren immer mehr verkommen war.

Dreck und Beulen verprellten mehr als die Hälfte der Nutzer. Zuletzt waren es im Großraum Paris nur etwa 150.000 Abonnenten, schreibt der Spiegel. Zum Vergleich: Allein in Berlin hat DriveNow ebenso viele Nutzer bei weitaus weniger eingesetzten Carsharingautos. Die langen Standzeiten ließen einen erheblichen Schuldenberg anwachsen, den der 12-reichste Mann Frankreichs nicht tragen wollte. Er nahm die Stadt in die Pflicht, die von der Unwirtschaftlichkeit Autolib’s überrascht wurde. Bis 2023 soll der Vertrag mit Vincent Bolloré nun beendet werden.

Immerhin waren die Autos in den Wintermonaten für etwas gut: Obdachlose fanden in den Autos Zuflucht vor Wind und Wetter, schreibt Spiegel online. Doch auch eine sozialistische Bürgermeisterin kann die Augen nicht vor der irren Schuldensumme verschließen, die Autolib’ vor sich auftürmte. Hier liegt nun die Chance für DriveNow und car2go: Denn eigentlich hat die Elektromobilität in Paris Zukunft. Denn Tausende Franzosen nutzen E-Scooter-Anbieter zweier Anbieter. Ein dritter will demnächst dazu stoßen.

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