UPDATE: Hertz kann Insolvenz abwenden

>>> UPDATE vom 06.05.2020 <<<

Hertz kämpft in den USA ums Überleben. Was dramatisch klingt, ist im Hinblick auf die letzten übereinstimmenden Medienberichten bittere Realität. Die Reiseausfälle an allen Flughäfen weltweit und die damit wegfallenden Geschäftsreisen könnten von einer großen Herausforderung zum Stolperstein werden. In Gesprächsrunden mit Gläubigern hat Hertz erreicht, ein Strategie- und Strukturpaket zu schnüren, dass die Einflüssen der Corona-Krise besser widerspiegelt. Laut Bloomberg unter Berufung auf interne Quellen sind die Umsätze für Hertz und auch die Avis-Gruppe in März und April um 80% eingebrochen – bei gleichbleibenden Kosten desaströse Umstände, auf die Avis bisher besser und schneller reagiert hat. Gute Nachrichten: Die Flotte aus 2019 muss nicht aktualisiert werden, es werden keine neuen Autos nachgekauft – was parkt, verschleißt erstmal nicht. Mitarbeiter verzichten bis zum 11. Mai auf Gehälter. Der nächste Stichtag ist also der 22. Mai – bis zu diesem Datum muss Hertz seinen Geldgebern glaubhaft machen, wie der weltweit zweitgrößte Autovermieter die Corona-Krise überleben will.

>>> UPDATE vom 30.04.2020 <<<

Bereits am Mittwoch berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf „mit dem Thema Vertraute“, dass Hertz einen Antrag auf mögliche Zahlungsunfähigkeit prüfe. Zunächst würde abgewogen, inwieweit Zahlungen für die Flotte reduziert oder ausgesetzt werden können – während gleichzeitig publik wurde, dass bereits eine Leasingrate ausgelassen wurde. Bis zum 04. Mai 2020 verhandelt Hertz mit den Leasinggebern um eine Reduzierung der Zahlungen.

Inzwischen war wegen dieser Meldungen der Aktienkurs um weitere 15% eingebrochen. An der Börse ist Hertz nunmehr weniger als ein Viertel dessen wert, was Anleger noch Ende Februar 2020 für eine Aktie zahlen mussten. Durch die Corona-Krise ist der weltweite Reiseverkehr fast vollständig eingebrochen. Die Folgen waren nicht absehbar, die Reaktionszeiten kurz und die wirtschaftlichen Einbußen heftig.

Schon Ende Februar war es eigentlich absehbar: Das globale Buchungsvolumen für Mietwagen würde dramatisch zusammenbrechen. Schon Mitte März konnte man zwischen den Zeilen einer Pressemeldung von Hertz Nordamerika lesen, dass drastische Schritte unternommen werden würden. Nun ist klar: Es fallen gut 10.000 Stellen weg. Insgesamt stehen laut übereinstimmenden Medienberichten rund 30 Milionen US-Dollar für Abfindungen zur Verfügung. Man hoffe, dass man bei einem absehbaren Ende der Krise die Jobs mit ehemaligen Hertz-Mitarbeitern wiederbesetzen könne.

Doch damit ist nicht alles gesagt und schon längst nicht alles unternommen worden. Weitere schwerwiegende Einschnitte werden folgen. In Abhängigkeit von der Dauer des Shutdowns und der wirtschaftlichen Entwicklung will Hertz weitere Schritte gehen, um das Überleben des Unternehmens zu sichern:

  • Drastische Verkleinerung der Flotte
  • Stornierung und Stundung bestellter Neuwagen
  • Abverkauf von Gebrauchtwagen
  • Reduzierung von Gehältern bis zum hohen Management
  • Abbau externer Dienstleister, Personalkosten und Review aller Ausgaben
  • Rückstellung von Investitionen
  • Beantragung finanzieller Staatshilfen in Europa und in den USA

Aktuell betrachtet verfügt Hertz über liquide Mittel bis Juni 2021. Das entspricht in Summe etwa einer Milliarde US-Dollar. Wie deutlich die Einschnitte sind, die durch die Corona-Krise verursacht wurden, zeigt der Rückblick auf die Zahlen, die Hertz bis einschließlich Februar vorgelegt hatte. Hier lag man 6% über den Vorjahresmonaten, in den USA sogar 8% im Plus. Dann musste – im Prinzip vom einen auf den anderen Tag – die komplette Planung über Bord geworfen werden.

Ironischerweise fanden wir auf der deutschen Hertz-Seite ein Bild mit einer Mitarbeiterin, die Trauerflor trägt – bei einer Übergabe eines Fahrzeugs aus der Kollektion 7, der Luxus- und Sportwagenflotte von Hertz Deutschland mit per Handschlag, von Handschuhen geschützt.