UPDATE: Hertz Deutschland von Chapter-11-filing nicht betroffen

Mit einer Insolvenz, wie sie in Deutschland praktiziert wird, hat das „Filing for bankruptcy under chapter 11“ in den USA insofern wenig gemeinsam als dass das Geschäft zunächst weiterläuft. Die weltweit zweitgrößte Autovermietung geht diesen Schritt mit seinem Nordamerika-Geschäft. Australien, Neuseeland sowie europäische Derivate finden darin keine Beachtung. Reservierungen werden aber auch in den USA und Kanada ungeachtet des Verfahrens weiterhin bedient. Außerdem agieren die selbstständigen Franchisenehmer unabhängig von Hertz und sind entsprechend auch nicht von diesem Prozess betroffen.

UPDATE 03. Juni 2020: Hertz Deutschland nicht von Insolvenz betroffen

Für Hertz Deutschland läuft dere Betrieb derweil wie gewohnt weiter. Die Flotte scheint nach Sichtungen durch Mitglieder des Mietwagen-Talks etwas ausgedünnt. Mieten werden aber weiterhin bedient, Ausfälle oder Umbuchungen scheint es keine zu geben. Auch die Kundenbindungsprogramme sollen wie gewohnt und ohne Einschränkungen aufrecht erhalten bleiben.

Dazu erreichte uns ein Statement von Alida Scholtz, Managing Director Germany: „Hertz Deutschland ist nicht Teil des US-Rechtsverfahrens nach Chapter 11. Unser Betrieb läuft wie gewohnt weiter, einschließlich all unserer Reservierungen und Kundenprogramme.

Seit Beginn der Pandemie hat Hertz Deutschland eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um unsere Kosten zu senken und gleichzeitig unsere Kunden und Partner zu unterstützen. Wir haben für den regulären Betrieb geöffnet und empfangen unsere Kunden mit demselben hohen Maß an Sicherheit und Komfort, einschließlich neuer Sauberkeitsstandards als Reaktion auf COVID-19. Wir sind stolz darauf, für unsere Kunden da zu sein, jetzt und dann, wenn die Welt wieder in Bewegung kommt.“

Was bedeutet „Chapter 11“ für Hertz?

Aktuell verfügt Hertz laut einer Pressemeldung noch über liquide Mittel von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Trotz eines Full-Stops bei Investitionen und anderen Ausgaben reichen die Buchungszahlen unter dem Einfluss der Corona-Krise allerdings nicht für vernünftiges Wirtschaften. Einige deutsche Medien berichten von Notverkäufen der Flotte: Die Hertz-Sonderserie der Corvette wurde auf dem hauseigenen Gebrauchtwagenportal verkauft. Nach zwei Jahren im Vermietgeschäft und mindestens mehr als 12.400 Meilen Laufleistung war es aber ohnehin Zeit, die Sportwagen zu verkaufen. Dennoch ließ Hertz eine Leasingrate für die Flotte aus, schickte Mitarbeiter in den (in den USA unbezahlten) Zwangsurlaub und konnte sich mit Gläubigern nicht auf eine fortwährende Finanzierung einigen. Die Beantragung einer Zahlungsunfähigkeit nach Chapter 11 erlaubt Hertz nun die eigenständige Restrukturierung der Geschäfte, Stundungen von Rechnungen und Kreditlinien sowie Zahlpausen. Darüber hinaus wird der Handel der Aktie (NYSE: HTZ) ausgesetzt. Der Hintergrund: Die Werte des Unternehmens sollen vor dem „Ausbluten“ geschützt werden um Shareholdern und Kreditgebern das Maximum an Verbindlichkeiten zurückzahlen zu können, sollte das Unternehmen aus der Restrukturierung heraus keinen Neustart schaffen (können).

Alle Hertz-Reservierungen werden erfüllt

Hertz kommuniziert weiterhin, dass alle Mieten bedient werden und alle größeren Hertz-Stationen geöffnet bleiben. Selbst die „gleich bleibende Qualität und Auswahl der Flotte“ soll sichergestellt sein. Auch das Hertz Gold-Programm wird nicht pausiert. Alle Kunden behalten ihre Punkte und können sie zu gleichen Bedingungen einlösen. Allerdings werden Abstriche gemacht. Kleinere Stadt-Stationen sollen zusammengelegt werden. Die Flotte soll durch Verkäufe und Stornierungen von Neubestellungen drastisch verkleinert werden. Investitionen und Marketing-Ausgaben pausieren. Der drastischste Schritt betrifft die Belegschaft: Etwa 50% aller Mitarbeiter weltweit werden beurlaubt oder entlassen – etwa 20.000 Menschen.