Stadt, Land, Autobahn mit dem Opel Insignia von Sixt | MietwagenTest

Berlin –  Mietwagen müssen andere Stärken haben als Dienst- oder Privatwagen. Einfache Bedienung, wirtschaftliche Antriebe, gute Konnektivität und ein bequemer wie übersichtlicher Innenraum für die schnelle Eingewöhnung. Bei uns im MietwagenTest: Der Opel Insignia von Sixt. 

Auch wir müssen zugeben, nicht ganz vorurteilsfrei an den Insignia herangetreten zu sein. Was soll die Limousine von Opel schon groß können? Froh, in Zeiten der Diesel-Diskussionen überhaupt einen Diesel-Mietwagen bekommen zu haben, starteten wir unsere Reise im 2.0 Diesel mit 170 PS – einmal als Handschalter und eine Woche später in der Automatikvariante.  

Sixt: Opel Insignia aus IDMR und IDAR | MietwagenTest & Anmietung

  • Station: Sixt Berlin Treptow | Martin Hoffmann Straße
  • Gebuchte Kategorie: IDMR
  • Erhaltene Kategorie: IDMR und IDAR
  • Erhaltene Mietwagen: Opel Insignia 2.0 Diesel Grand Sport | Manuelles und Automatik-Getriebe
  • Angebotene Alternativen: keine

Im März reservierten wir für die Feiertage Ende April und Mai einige Mietwagen bei Sixt. Die Auslastung ist noch unten, die Preise trotz Anmietung in Berlin fair. Lange hielten wir der Buchungsklasse CPMR die Treue. Inzwischen ist das Premium-Kompakt-Segment bei Sixt aber teurer als die Mittelklasse IDMR und von wenig premiumhaften Autos durchzogen. BMW 118i mit mageren Ausstattungen und spärliche Highlights wie ein A3 mit 2.0 TDI machen CPMR derzeit bei Sixt zum No-Drive.

IDMR hingegen besetzt Sixt im 1. und 2. Halbjahr 2018 fast durchweg mit VW Passat und vor allem ordentlich ausgestatteten Opel Insignias. Passat und Insignia? Es könnte Sixt-Mieter schlimmer treffen. Das gesparte Geld im Vergleich zu einer Wochenmiete CPMR steckten wir dann doch lieber in eine halbe Tankfüllung.

Wir vergleichen hier zwei Insignias mit der gleichen Ausstattungslinie „Innovation“ und gleichem Motor – einmal als Handschalter und einmal mit Automatik. Beide Autos kamen auf einen Bruttolistenpreis von ca. 40.000 Euro. Beim Handschalter verschönerte ein Schiebedach den Innenraum, der Automatik-Insignia bekam Silber-Metallic-Lack spendiert. Navi, Matrix-LED-Licht, Tempomat ohne Abstandsfunktion und Spur-Assistent waren weitere wichtige Ausstattungen in beide Autos.

Wer gewinnt den Vergleich? Der Handschalter oder die Automatik? Lest dazu unser Fazit am Ende des Textes. Weiter geht es mit den Wertungen für den Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn.

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Opel Insignia im Stadtverkehr | Innenraum & Infotainment

  • Tolle, bequeme Sitze: Verstellbereich, Passform und Rückenunterstützung passen
  • Verbrauch in der Stadt: Schalter: 6,9 l/100km | Automatik 6,5 l/100 km
  • Übersicht: nach vorne super, nach hinten eingeschränkt
  • Opel OnStar-Navi mit schneller Routenberechnung und exzellenter Online-Stauumfahrung

Der erste Eindruck beim Öffnen der Fahrertür lässt sich mit „nüchtern“ gut zusammenfassen. Opel erlaubt sich keine Extravaganz  – aber auch kaum Fehler. Jede Funktion sitzt an passenden Stellen, wenn auch nicht an jenen, die man von VW oder BMW gewohnt ist. Die eigentliche Überraschung kommt beim Fahren: Es klappert nichts, alles fühlt sich wunderbar an und: es riecht gut! Was auch immer Opel beim Insignia anders macht als bei Astra, Adam und Corsa, es wirkt. Der Insignia ist ein haptisches und olfaktorisches Erlebnis.

Als nächstes lässt uns das Navi stutzen. Schnelle Eingaben, Routenberechnung in wenigen Sekunden, angenehme Klangfarbe der Stimme, da passt alles. Anerkennendes Kopfnicken: War Opel nicht in den letzten Jahren der gescholtene Autobauer ohne Innovationskraft und Qualität? Das bestätigt sich bei den beiden Insignias nicht, die wir ingesamt knapp vier Wochen gefahren sind. Einziger Makel, den wir auch nach intensiver Suche entdecken konnten: Beim schwarzen Handschalter war die Fahrertür etwas zu hoch montiert. Der Schwung vom Cockpit bekam dadurch einen Knick, Windgeräusche verursachte es nicht.

Der 170-PS-Diesel passt bestens zur Limousine. Die 400 NM Drehmoment  setzen so sanft ein, dass man sich in einem Benziner wähnt. Die gut funktionierenden GoodYear-Ganzjahresreifen tragen ihren Teil zum Traktionsverhalten und Fahrkomfort bei. Durch die Stadt gleitet den Insignia wie entkoppelt. Auch vom Diesel ist nur wenig zu hören. Hier scheint Opel nicht an Dämmung zu sparen. Stumpfe Poltergeräusche? Dazu muss man den Insgnia schon mit Absicht über abgesenkte Gullideckel prügeln.

In der Stadt passt die Automatik-Version deutlich besser zum Diesel. Die 8-Gang-Automatik ist eine Eigententwicklung aus Rüsselsheim und kommt nicht von ZF, Getrag oder Aisin. Sie kaschiert die Anfahrschwäche des Handschalters, schaltet frühzeitig hoch und senkt Verbrauch und Geräuschpegel deutlich. Wer sie fordert, erntet Rückmeldung: Spontan wird zurückgeschaltet, Gänge werden gewechselt wie im sportlichen Doppelkuppler mit einem sanften Ruck. Der Handschalter wirkt dagegen altertümlich. Er funktioniert, lässt aber die Feinheit vermissen, mit der die Automatik die 400 NM verwaltet.

So fährt der Opel Insignia auf der Landstraße | Lenkung & Ladung

  • Komfort können sie, Sport nicht: Ganzjahresreifen mit Stärken und Schwächen
  • Präzise, leichtgängige Lenkung
  • Verbrauch Landstraße: Schalter: 4,8 l/100km | Automatik 5,3 l/100 km
  • Kofferraum mit hoher Ladekante aber weit öffnender Klappe (490 Liter)

Wir rollen im Feierabendverkehr aus Berlin. Die Berliner Stadtautobahn in Richtung Süden ist verstopft. Das Opel-Navi schlägt uns eine alternative Route in den Spreewald vor – über Land- und Nebenstraßen. „Ihre neue Route spart 9 Minuten“ bekommen wir als Info mit auf den Weg. Wir lassen die Kupplung schnalzen und rauschen durch die handgerissenen Gänge  auf Landstraßentempo. Was das für eine Freude macht. Unglaublich, dass hier ein Opel-Zeichen auf dem Pralltopf prangt.

Während der Handschalter in der Stadt ruppig zu fahren ist und Eingewöhnung braucht, passt er auf geschwungenem Geläuf perfekt. Wir lassen den Insignia auf Kurven zufliegen, bremsen, kuppeln, Zwischengas, Gang rein und weiter. Von Kurve zu Kurve. Und das mit Ganzjahresreifen! Die GoodYears funktionieren in ihren Möglichkeiten berraschend gut. Hohe flanken, viel Profil? Egal. Der Insignia schiebt und drückt, dass es eine wahre Freude ist. Kein Sportwagen, so viel Abstriche muss man machen. Aber es sei angemerkt, dass sich ein überzeugter Passatfahrer (2.0 TDI, 150 PS, manuell) überzeugen ließ.

Während sich der Handschalter einem leichten Hang zum Sport hingibt, lernten wir die Automatik-Variante als überzeugten Cruiser kennen. Durch die enge Gangabstufung fällt es im manuellen Modus der 8-Gang-Box nicht leicht, die Lenkradpaddels passend zu ziehen. Also schalten wir unser Gemüt eine Stufe zurück und lassen den Insignia rollen. Das kann er auch. Sind wir immer noch überrascht? Nachhaltig.

Anders als das Matrix-LED im Astra funktioniert das gleichnamige System im Insignia wesentlich besser. Während das Fernlicht im Astra auf vier Leuchtquellen pro Scheinwerfer beschränkt zu sein scheint, wirkt das es im Insignia mehr wie ein Vorhang, der für den Gegenverkehr zu und bei freier Bahn wieder aufschwingt. Im Astra wirft das System Lichtflecken, im Insignia wirkt es gleichmäßiger und kann mit den Systemen bei Audi, BMW oder Mercedes mithalten – ein Must-Have, wenn man einen Insignia mietet oder kauft.

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Kilometerfressen auf der Autobahn im Opel Insignia | Leistung & Komfort

  • 400 NM und 170 PS sorgen für guten Durchzug und auf Wunsch 220 km/h Reisegeschwindigkeit
  • Automatikversion souveräner, Schalter sportlicher
  • Kein Verstellfahrwerk – Standardfahrwerk ordentlicher Kompromiss aus komfortabel und straff
  • Intelligente und schnelle Routenführung des Navis

Beide Insignia waren mit 3.200 km (Handschalter) und 8.800 km (Automatik) Laufleistung noch junge Mietwagen. Die Einfahrphase war vorbei, jetzt zählen die Fakten. Für den direkten Vergleich fuhren wir mit beiden Autos die gleiche Strecke auf der A2 und setzten in Abständen von 50 Kilometern den Bordcomputer B zurück. Natürlich ist ein Versuch mit nur zwei Autos nicht repräsentativ. Aber eine Tendenz lässt sich ableiten, die sich auch im Gesamtschnitt wiederfindet: Die Automatik verbraucht mehr Diesel als der Handschalter.

  • Verbrauch auf der Autobahn
    (je 50 km, dann Bordcomputer zurückgesetzt, Handschalter, Automatik, Reifendrücke angepasst):
  • 9,1 | 11,3 l / 100km bei „So schnell wie möglich“
  • 8,7 | 10,1 l / 100km bei Tempomat 180 km/h
  • 7,2 | 7,4 l/ 100km bei Tempomat 160 km/h
  • 5,4 | 5,3 l / 100km  bei Tempomat 130 km/h

Bis zur Reisegeschwindigkeit von 130 km/h liefern sich Handschalter und Automatik ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spritsparkrone. Doch für dauerhaft hohe Geschwindigkeiten würden wir den Handschalter nehmen. Das Drehzahlniveau ist im Vergleich zur Automatik nicht merklich anders (3.000 U/min bei 180 km/h), der Durchzug aber nachdrücklicher, direkter. Absoluter Pluspunkt des Handschalters: Selbst wer ständig fährt, was die Verkehrsbedingungen hergeben und immer voll beschleunigt, dürfte fast immer einen einstelligen Schnittverbrauch landen – toll, angesichts der Leistungsentfaltung.

Die Automatik mimt hier wieder der Cruiser. Auch wenn sie hart rangenommen die Gangstufen wechselt wie ein Springpferd Hürden reißt, serviert sie sanft gefahren unmerkliche Gangwechsel. In den höheren Geschwindigkeitsbereichen kann sie den guten Verbrauch des Handschalters nicht toppen und fährt bei „so schnell wie möglich“ gut 2 Liter Diesel teurer. Dennoch passt der Verbrauch für das Fahrprofil. Praxisgerecht liegt die Reichweite beim Handschalter bei ca. 900 bis 1.100 Kilometern. Automatik-Fahrer müssen ca. 100 bis 150 Kilometer eher auffüllen.

In beiden Mietwagen gab es keine Verstellfahrwerke oder Fahrprofil-Schalter. Der Insignia fährt komfortabel, verbindlich, verlässlich und bremst spurstabil – wie schon betont, „nur“ auf GoodYear-Ganzjahresreifen. Die machen einen herausragend guten Job. Sie singen nicht, fahren präzise durch Kurven und sind speziell bei stehendem Wasser auf der Straße Meister ihrer Art. Hohe und scheinbar nachgiebige Reifenflanken sorgen für Komfort und guten Straßenkontakt bei unverhofft heftigen Bremsmanövern.

Prima funktioniert auch das Onboard-Entertainment. Die Anlage spielt klare Höhen aus und verpackt Sprache in angenehm verständliche Frequenzen. Nur beim Tiefton könnte sie prägnanter und definierter sein. Die Smartphone-Anbindung funktioniert einwandfrei. Von schlichtem Bluetooth-Streaming bis zur Spiegelung bei Apple-Carplay und Android-Auto beherrscht das IntelliLink 900 Gen 2. Wer die Ausstattung Innovation nimmt, bekommt das System serienmäßig.

Opel Insignia von Sixt | MietwagenTest Empfehlung

Noch immer sind wir überrascht. Nun aber auch überzeugt. Was klingt wie ein Werbeslogan, spiegelt unsere Einschätzung zum Opel Insignia ziemlich gut wieder. Denn die Mittelklasse-Limousine steht nicht nur für eine Alternative zum Passat in der Klasse IDMR, er ist dem Passat mindestes ebenbürtig. Beide Autos sind so exzellent, dass wir uns nicht herausnehmen, einen Sieger zu küren. Aber wir möchten großspurig werden, auch wenn es sonst nicht unser Ding ist. Der Opel Insignia Preis-Leistungs-Sieger aller Mietwagenklassen. Ein so gutes Auto gibt es erst wieder ab F – mit dem VW Artheon. Der ja eigentlich ein Passat ist.

Opel Insignia 2.0 Diesel | Technische Daten

Kategorie bei Sixt: IDMR | IDAR
Alternativen in IDMR: VW Passat, Renault Talisman, DS5
Motor: 4-Zylinder Diesel mit Turboaufladung
Leistung: 170 PS
Drehmoment: 400 Nm
Getriebe: 6-Gang manuell | 8-Gang-Automatik
0 – 100 km/h: 8,7 sek | 8,9 sek
Vmax: 226 km/h | 223 km/h
Testverbrauch: 6,8 | 7,2 Liter / 100 km
Verbrauchsangabe Opel: 5,2 | 5,5 Liter / 100 km
Kofferraum: 490 Liter
Länge Kofferraum bei umgelegter Rückbank: Bis zu 1,95 Meter

Bild: MietwagenNews
Disclaimer: Dieser Test ist unabhängig und stellt die Sichtweise von MietwagenNews dar. Sixt hat den Mietwagen nicht gestellt. MietwagenNews bezahlt sowohl Mietpreis als auch die Tankkosten selbst.

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